Archilochos

Archilochos, * ca. 680 v. Chr (auf der ionischen Marmorinsel Paros) - + ca. 645 / 40

Er war der Sohn eines Adligen aus den führenden Familien und einer thrakischen Sklavin, also ein Bastard.

Sein Vater hieß Telesikles, seine Mutter Enipo.

Über sein Leben wissen wir wenig.

Er nahm an der Gründung der Kolonie Thasos teil.

Bei den Kämpfen soll er in einer Schlacht zwischen Paros und Naxos gefallen sein.  

Seine Gedichte sind nur aus Zitaten späterer Autoren der Antike und aus Papyrusfragmenten bekannt.

Antike Autoren überliefern, daß er in Neobule, die Tochter des Lykambes verliebt gewesen sei. Lykambes soll jedoch die Heirat verboten haben. Archilochos soll sich dafür durch beißende Spottverse gerächt haben. Deshalb sollen sich Vater und Tochter erhängt haben.

Inwiefern das den Tatsachen entspricht, können wir nicht beurteilen. Der Name Neobule taucht in seinen Gedichten auf.

Betrachten wir die uns verbliebenen Reste seiner Gedichte unter dem Aspekt, was hier neu ist, so fällt uns auf:

Die Epiker rühmten die Leistungen der Helden der Vergangenheit. Archilochos dagegen beschreibt das gegenwärtige Leben.

Für ihn gilt nur "das Ich, das Hier und das Jetzt"

Die Gefühle des Dichters - sein Haß und seine Liebe - zeigen seine Gedichte.

Archilochos ist der Begründer der persönlichen Lyrik der Antike.

Nachwirken:

In derAntike schätzte man Archilochos schon.

Heraklit (B 42) nennt ihn zusammen mit Homer. Dieses Fragment scheint auf Sänger-Wettkämpfe hinzuweisen, bei denen seine Gedichte vorgetragen wurden.

Pindar kannte einen Herakles-Hymnos (Olympien 9, 1 - 4). Er erwähnt "haßerfüllte Reden des Tadlers Archilochos."

Bei dem Komödiendichter Kratinos finden wir "Archilochoi".

Der Komödiendichter Aristophanes zeugt davon, daß die Athener den Dichter Archilochos kannten.

Platon nennt ihn "sophótatos" - "der Weiseste" -.

Horaz (Epistulae I, 19, 23 f.) verkündet, , daß er "als erster Paros' Jamben in Latium vorgestellt hat."

In der Neuzeit nannte Nietzsche Homer und Archilochos "die Urväter und Fackelträger der griechischen Dichtung."

J. Burckhardt erklärt das Interesse an Archilochos in seiner "Griechischen Kulturgeschichte" so:

"Und wenn wir uns nun überhaupt nach dem Grunde der großen Wirkung dieses genialen Lästerers auf Zeitgenossen und Nachwelt fragen, so möchte es im ganzen darauf hinauskommen, daß in ihm der erste scharfe Realist mit vollem Hohn unter die Poeten trat."

Zur griechischen Lyrik vgl. auch > Alkaios und > Sappho

Quelle: Peter Rehfeld 2000

s. v. Archilochos