Homer

Homer

Homer, 9. oder 8. Jh. v. Chr., ältester europäischer Dichter, in der ganzen Antike als Schöpfer der beiden Epen Ilias und Odyssee verehrt: ihm wurden später auch andere Dichtungen, jedoch fälschlich, zugeschrieben (s. Batrachomyomachia, Homerische Hymnen).

Seine Heimat war vermutlich das jonische Kleinasien, über sein Leben ist nichts bekannt.

Die Ilias, das ältere Epos, erzählt vom Zorn des von Agamemnon beleidigten Achilleus im Trojanischen Krieg und schließt mit Hektors Tod.

Die Odyssee ist das Lied von den Irrfahrten und der Heimkehr des Odysseus von Troja nach Ithaka.

In beiden Epen wird die Haupthandlung von mehr oder weniger weit ausgesponnenen Nebenmotiven unterbrochen, auch Widersprüche sind bemerkbar; sie wurden schon von den antiken Philologen beobachtet, und aus diesen Untersuchungen erwuchs die bis heute nicht zur Ruhe gekommene >>homerische Frage<<: ist die Ilias (bzw. Odyssee) so wie sie uns überliefert ist eine von Homer gewollte Einheit oder ist sie aus Einzelteilen notdürftig zusammengestellt? Steht also Homer am Anfang (als Dichter des Kernstücks, um das sich dann andere Bestandteile lagerten) oder steht er am Ende (als abschließender Ordner)? Beide Epen sind nicht einheitlich komponierte Werke; so ist z. B. in der Odyssee die ursprünglich selbständige Telemachie erst in einer letzten Redaktion eingebaut worden, die starke Zusätze, wie Buch 1, zur Folge hatte. In der Ilias liegen die Verhältnisse schwieriger: so ist noch später als Buch 10 das vielgepriesene Buch 24. Man denkt nicht mehr wie zu Lachmanns Zeiten an einen Zusammenschluß ursprünglich getrennter Lieder, sondern eher an eine allmähliche sinnvolle Erweiterung der >>Urilias<< , deren Dichter vielleicht Homer hieß. - Das Versmaß Homers ist der daktylische Hexameter, der hier bereits seine klassische, später kaum mehr modifizierte Form hat. Die Sprache ist aus jonischen und äolischen Bestandteilen gemischt. Die Einteilung in je 24 Gesänge stammt erst von alexandrinischen Philologen. Text: Ilias: D. B. Monro - Th. W. Allan (Oxon. 31919 V. Stegmann (Tusculum 1948, m. Übers. von H. Rupé) Odyssee Th. W. Allan (Oxon. 21916 Übers. beider Epen: J. H. Voß (Ilias 1793. Odyssee 1781) Th. v. Scheffer (1913. 1918) R. A. Schroeder (Ges. Werke IV) Quelle: Tusculum Lexikon griechischer und lateinischer Autoren des Altertums und des Mittelalters völlig neu bearbeutet von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz handbuch rororo, Reinbek 1974