seisachtheia

seisachtheia

eisachtheia griechisch = “Abschüttelung der Lasten”,

war die kühnste Reform > Solons.

Da sie eine einmalige Maßnahme war, wurde sie nicht in dessen Gesetze aufgenommen.

Deswegen wußte man schon im 4. Jahrhundert v. Chr. nicht mehr genau, worin sie bestanden hatte.

Sicher wurde durch die seisachtheia die Schuldsklaverei abgeschafft.

Biher hatte ein Gläubiger das Recht, den nicht zahlenden Schuldner zu verkaufen.

Das wurde jetzt verboten, und alle auf diese Weise in die Sklaverei Verkauften wurden frei.

Unsicher bleibt, in welchem Umfang sonst noch Schulden niedergeschlagen wurden.

Ein antiker Forscher des 4. Jahrhunderts v. Chr., Androtion, und noch moderne Gelehrte erklärten diesen Teil der seisachteia nur als Entlastung, als Ermäßigung der Hypothekenschulden um 27 % durch Einführung des minderwetigeren euboiischen Talents statt des bisher in Athen gültigen aiginetischen; d. h. für ein geliehenes aiginetisches Talent brauchte nur ein euboiisches Talent zurückgezahlt zu werden.

Nach andrer, heute für richtig gehaltener Ansicht war die seisachtheia viel radikaler, ein völliger Erlaß aller Hypothekenschulden, ohne jede Entschädigung der Gläubiger.

Da diese meist Adlige und die Schuldner meist Leute aus dem Volke waren, so wurde Solon – nach Aristoteles, Staat der Athener, – durch die seisachtheia zum Volksbefreier. –

Angeblich liehen sich drei Freunde Solons, die von seinem Plan wußten, vor der seisachtheia viel Geld und kauften davon große Güter. Durch die seisachtheia wurden sie sehr reich; denn die Güter konnten sie, da sie rechtlich gekauft und bezahlt waren, behalten, das geliehene Geld dagegen brauchten sie nicht zurückzuzahlen.

Aristoteles erklärt jedoch – wohl mit Recht – nur als Verleumdung einiger Parteifreunde des Solon durch die Aristokratie, die ja durch die seisachtheia schwer geschädigt und verärgert wurde.

Entstand aber durch die seisachtheia eine solche Erregung, daß diese Verleumdung überhaupt aufkommen und geglaubt werden konnte, so spricht das wohl für die radikale Reform.

Quelle: Wörterbuch der Antike, Stuttgart 1976

(Kröners Taschenausgabe: Band 96) Achte, verbesserte und ergänzte Auflage