Solon

Solon

Solon fr. 1, 1 – 16

(Anthologia Lyrica Graeca ed. Ernnestus Diehl)

An die Musen
Ihr, der Gedächtniß und des Olympischen Jupiters holde

Töchter, o Musen hört, höret des Flehenden Wunsch.
Schenkt ihm Glück von den seligen Göttern, und unter den Menschen
Allenthalben und stets guten und redlichen Ruhm;
Daß er geliebt den Freunden, den Feinden bitter – gefürchtet, 5
Jenen der Ehrfurcht werth, diesen ein Schrecklicher sei.
Güter begehrt’ ich wohl; doch sie zu haben mit Unrecht
Mag ich nicht; da zuletzt sicher die Rache sie raubt.
Nur den die Götter uns gaben, der Reichthum bleibt und bestehet
Vest vom Grund des Baus, oben zum Gipfel hinauf. 10
Jener andere, den die Menschen ehren, er kommt zwar,
Vom Unrecht angelockt, von der unseligen Müh’,
Aber unwillig kommt er und hinter ihm schleichet die Strafe,
Die im Stillen beginnt, die wie ein feuriger Funk’
Zündet; im Anfang’ klein, doch endend in bitteren Schmerzen; 15
Denn kein Frevel gelingt lange den Sterblichen wohl.

Johann Gottfried Herder

Solon fr. 4, 9 – 12

(Anthologia Lyrica Graeca ed. Ernnestus Diehl)
Αusgleichung

Oft zwar ist die Gemeinheit reich und es darben die Edlen,
Doch wir gäben im Tausch nimmer für ihren Besitz
Unsre Gesinnung dahin; denn ewiglich bleibt sie ein Schatz uns,
Aber das irdische Gut wechselt beständig den Herrn.

Emanuel Geibel

An die Athener
Wider Pisistratus

Wenn ihr Schweres erfuhrt durch eigene Schuld und Verkehrtheit,

Klagt um euer Geschick nicht die Unsterblichen an,

Selbst ja zogt ihr sie gro und machtet sie stark, die Tyrannen,
Und nun seufzt ihr dafür unter dem schmhhlichen Joch.
Einzeln zwar geht jeder von euch auf der Fhhrte des Fuchses, 5
Aber sobald ihr gesamt handelt, verlßtt euch der Sinn;
Denn ihr traut auf die Rede des Mannes und die schillernden Worte,
doch blind seid ihr für das, was euch vor Augen geschieht.

Emanuel Geibel

Solon fr. 15

(Anthologia Lyrica Graeca ed. Ernnestus Diehl)
Keiner ist glücklich der Sterblichen, Keiner, Kummer belastet

ist das ganze Geschlecht welches die Sonne bescheint!

Christian zu Stollberg