Solonische Verfassung

Solonische Verfassung

Solonische Verfassung, die erste wirkliche Verfassung Athens.

Über ihren Gesamtcharakter und ihr doppeltes Ziel, zwei Parteien zu dienen, > Solon.

Die Interessen der Reichen wurden durch deren Bevorzugung bei der Verteilung der politischen Rechte vertreten. > Timokratie

Solon teilte die Bürgerschaft nach dem Einkommen in 4 Klassen.

Dieses wurde in altertümlicher Weise auf landwirtschaftlicher Grundlage, nach Scheffeln, angegeben, noch nicht nach dem Kapital, in Drachmen; doch gab es später sicher eine Umrechnungsmöglichkeit.

Die 4 Klassen waren

1. die der Pentakosiomedimnen, d. h. 500-Scheffler, mit so viel oder mehr Ertrag an Getreide bzw. einer entsprechenden Menge Wein oder Öl;

2. der Ritter, mit 300 Scheffeln;

3. der Zeugiten – Bauern mit nur einem Gespann und mit 200 Scheffeln Mindestertrag, und

4. der Theten, die weniger als 200 Scheffel ernteten.

Nach dem Einkommen waren die Rechte und Pflichten abgestuft.

1. Den Pentakosiodimnen waren die höchsten Ämter reserviert, vor allem das Archontat und ein Sitz im Areopag.

Dafür hatten sie als besondere Last die > Leiturgien und im Kriege Dienst in der (teueren) Kavallerie.

2. Den Rittern standen die niederen Ämter offen.

Sie mußten auch als Kavalleristen im Kriege dienen.

3. Den Zeugiten standen – wie den Rittern – die niedrigen Ämter offen.

Sie mußten als Hopliten dienen.

4. Die Theten konnten kein Amt übernehmen, sondern hatten nur das aktive Wahlrecht.

Sie dienten als Leichtbewaffnete. –

Die > Seisachtheia und die Bestimmung, daß an der Volksversammlung alle Bürger teilnehmen durften, wahrte das Interesse der Armen.

Quelle: Wörterbuch der Antike, Stuttgart 1976

(Kröners Taschenausgabe: Band 96) Achte, verbesserte und ergänzte Auflage