Thukydides

Thukydides

Thukydides, etwa 460 bis etwa 400 v. Chr., aus Athen, der größte Geschichtsschreiber der Antike, aus altadliger, politisch konservativer Familie stammend.

Beim Ausbruch des Peloponnesischen Krieges (431) begann er sogleich mit der Abfassung seines Werkes, das die Geschichte dieser großen Auseinandersetzung, deren Bedeutung Thukydides sofort erkannte, enthalten sollte.

424 wurde er in das Strategenkollegium gewählt, konnte jedoch den Verlust der Stadt Amphipolis nicht verhindern und ging für zwanzig Jahre in die Verbannung.

Dort setzte er die Sammlung des Materials für die weitere Darstellung fort.

Nach dem Ende des Krieges kehrte er nach Athen zurück, wo er vielleicht auch gestorben ist.

Sein Werk blieb unvollendet und erschien nach seinem Tode in acht Büchern; in den Ereignissen des Jahres 411 bricht es unvermittelt ab.

Das erste Buch gibt eine allgemeine Einleitung mit einem Rückblick auf frühere Kriege in Griechenland und einer Darstellung der fünfzigjährigen Friedenszeit seit dem Ende der Perserkriege sowie die Erzählung der Ereignisse vor dem Ausbruch der Feinseligkeiten von 431.

Mit seinem bei aller Zuneigung zu Athen (vgl. die Rede des Perikles für die Gefallenen des ersten Kriegsjahres) erkennbaren Streben nach Objektivität wurde Thukydides zum Schöpfer der Geschichtswissenschaft im modernen Sinne; durch die Erfassung und Deutung des Geschehens aus seinen inneren Bedingungen und aus den Charakteren der Handelnden begründete er die pragmatische Geschichtsschreibung.

Sein Stil ist knapp und strebt nach Abstraktion; in den erzählenden Teilen ist er schlicht, in den Reden zeigt sich der Einfluß der zeitgenössischen sophistischen Rhetorik.

Text:

H. S. Jones – J. E. Powell (Oxon. 21942)

Übers.:

J. D. Heilmann (1760)

Th. Braun (1920)

A. Horneffer (1957)

P. Landmann (1960)

R. Binding (1920) Rede auf die Gefallenen

Quelle:

Tusculum Lexikon griechischer und lateinischer Autoren des Altertums und des Mittelalters

völlig neu bearbeutet von Wolfgang Buchwald, Armin Hohlweg und Otto Prinz

handbuch rororo, Reinbek 1974